Costantino Corti: »Lucifer«

Die Statue »Lucifer« von Costantino Corti; Stich aus dem Jahr 1862

Der italienische Bildhauer Costantino Corti (1823 – 1873) ist fast vergessen. Seine Skulptur »Lucifer« genießt jedoch Kultstatus. Sie erinnert an die berühmte weiße Marmorstatue »Le génie du mal« von dem belgischen Bildhauer Guillaume Geefs (1805 – 1883) in der St.-Pauls-Kathedrale in Lüttich. Beide Statuen könnten den dunklen Werken der Schriftsteller John Milton und Lord Byron entsprungen sein. Der vorliegende Stich wurde im Jahr 1862 in dem englischen Wochenmagazin The Illustrated London News abgedruckt. Der gefallene, aber lichttragende Himmelsfürst wirkt heroisch und kämpferisch. Gleichwohl scheint ihn die Materie weiterhin zu binden. Seine Zeit ist noch nicht gekommen. Im Skulpturenpark des französischen Schlosses Montrésor befindet sich eine Version des »Lucifer« von Corti.

 

Lucifer

»Ich will mein Licht vor eurem Licht verschließen,
ich will euch nicht, ihr sollt mich nicht genießen,
bevor ich nicht ein Eigenlicht geworden.

So bring ich wohl das Böse zur Erscheinung,
als Geist der Sonderheit und der Verneinung,
doch neue Welt erschafft mein Geisterorden.

Aus Widerspruch zum unbeirrten Wesen,
aus Irr-tum soll ein Götterstamm genesen,
der sich aus sich – und nicht aus euch – entscheidet.

Der nicht von Anbeginn in Wahrheit wandelt,
der sich die Wahrheit leidend erst erhandelt,
der sich die Wahrheit handelnd erst erleidet.«

Christian Morgenstern (1871 – 1914)

 

— dh —