Das Staunen der Welt: Kaiser Friedrich II.

Marmorbüste "Friedrich II."; amtliche Fotografie zur Olympia-Ausstellung "Große Deutsche in Bildnissen ihrer Zeit", Hans Andres Verlag, Berlin

„Jene zum Siege und zur Verführung vorherbestimmten Räthselmenschen, […] denen ich gerne jenen ersten Europäer nach meinem Geschmack, den Hohenstaufen Friedrich den Zweiten zugesellen möchte.“

— Friedrich Nietzsche

 

Friedrich II. (1194 – 1250) entstammte dem adligen Geschlecht der Staufer. Dieser Name leitet sich von der Burg Hohenstaufen am Nordrand der Schwäbischen Alb ab. Sein Vater war Kaiser Heinrich VI., sein Großvater der legendäre Kaiser Friedrich I., auch Barbarossa genannt. Ab 1198 war Friedrich II. König von Sizilien, ab 1212 römisch-deutscher König und von 1220 bis zu seinem Tod Kaiser des römisch-deutschen Reiches. Außerdem führte er ab 1225 den Titel König von Jerusalem. Die päpstliche Propaganda verteufelte ihn als Ketzer und Antichristen. Bei seinen Anhängern galt Friedrich II. jedoch als das „Staunen der Welt“ (stupor mundi) und „größter unter den Fürsten der Erde“ (principum mundi maximus). Seine bevorzugte Freizeitbeschäftigung war die Falkenjagd und er verfasste das große Standardwerk der Falknerei »De arte venandi cum avibus« („Über die Kunst mit Vögeln zu jagen“).

Die älteste italienischen Novellensammlung namens »Il Novellino« aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts enthält folgende Geschichte über den Kaiser:

Kaiser Friedrich ging einmal auf die Falkenjagd, und er hatte einen sehr wertvollen Falken, der ihm teurer war als eine ganze Stadt. Er setzte ihn auf einen Kranich an, der sehr hoch flog. Der Falke setzte sich sehr hoch über ihn. Er sah unter sich einen jungen Adler, brachte ihn zur Strecke und hielt ihn solange fest, daß er ihn tötete. Der Kaiser eilte herbei, im Glauben, es sei ein Kranich, und sah, was geschehen war. Da rief er voll Zorn den Scharfrichter und befahl, dem Falken den Kopf abzuschlagen, weil er seinen Herrn getötet hatte.

Il Novellino, XC

Der Erschaffer dieser Marmorbüste ist leider unbekannt. Sie war Teil der Ausstellung „Große Deutsche in Bildnissen ihrer Zeit“ während der Olympischen Sommerspiele in Berlin im Jahr 1936.

— dh —