»Apollon«

Büste des Gottes »Apollon«; historische Postkarte, Musée du Louvre (479)

»Apollon« ist der Sohn von »Zeus« und der Titanin »Leto«. Er und seine Zwillingsschwester »Artemis« gehören zu den Olympischen Göttern, den zwölf Hauptgöttern des griechischen Pantheons. Das Heiligtum in Delphi, die bedeutendste Orakelstätte der Antike, war »Apollon« geweiht. Er ist der Gott der Weissagung, des Lichts, der Heilung, des Frühlings, der sittlichen Reinheit und Mäßigung. Er gilt als der große Beschützer der Künste und der Musik. Zudem ist er der Gott der Bogenschützen und griff mit gezielten Bogenschüssen in den Trojanischen Krieg ein. Als »Phoibos Apollon« (“der Leuchtende”) wurde er mit dem Sonnengott »Helios« gleichgesetzt. Sein Name gibt Rätsel auf. Er könnte “Verkünder”, “Zerstörer”, “Vernichter” oder aber auch “Unheilabwehrer” bedeuten. Die Pythagoreer und Platoniker deuteten ihn als »A-pollon« (“der Nichtviele”) und sahen in ihm das Eine, das höchste, absolut transzendente Prinzip, das Gegenteil der Vielheit.

Friedrich Nietzsche beschrieb mit den Begriffen das Apollinische und das Dionysische zwei einander entgegengesetzte Arten des Lebensgefühls und der Weltanschauung; er bezog sich hierbei auf die den griechischen Göttern »Apollon« und »Dionysos« zugeschriebenen Eigenschaften. Das Begriffspaar apollinisch-dionysisch taucht in dieser Bedeutung bereits bei Schlegel und Schelling auf und erlangt in Nietzsches »Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik« (1872) zentralen Stellenwert. Ein jeder Künstler kann demnach entweder apollinischer Traumkünstler oder dionysischer Rauschkünstler oder aber beides zugleich sein.

 

Auf den delischen Apollon

Denken und nimmer vergessen Apollons will ich, des Schützen,
Den zum Palaste des Zeus eingeh’nd die Unsterblichen fürchten;
Und sie erheben sich alle sogleich, wiebald er herankommt,
Flugs von den Sitzen zumal, da den glänzenden Bogen er spannet.
Leto bleibet allein bei dem donnererfreuten Kronion,
Welche die Senn’ ihm sofort abspannt und den Köcher verschließet
Und von den mächtigen Schultern herab ihm dann mit den Händen
Nehmend den Bogen, ihn hängt an die Säul’ in des Vaters Gemache,
Auf an den goldenen Pflock; ihn führet sie aber zum Throne.
Nektar gibt ihm sodann in der goldenen Schale der Vater,
Bringend dem Sohn ihn zu, und die anderen Seligen setzen
Sich dann wiederum hin, und es freut sich die heilige Leto,
Daß sie den bogenbewehrten, den mächtigen Sohn sie geboren.

Heil dir, selige Leto, die herrliche Kinder geboren,
Phöbos Apollon, den König, und Artemis …

Eduard Mörike (1804 – 1875), »Homerische Hymnen«

 

— dh —

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